Kirchen im Kreis Cammin

Aus der Geschichte des kirchspielS Dobberphul

Die Nöte der Pastoren im Kirchspiel Dobberphul

 Zum Kirchspiel gehörten ursprünglich drei Kirchen in den Orten Dobberphul (slawisch für Gutenfelde), Görke (Hügel) und Reckow (Krebs).  Weitere Ortschaften und Wohnplätze im Kirchspiel sind Grünhöfe, Wonneburg, Julianenhof, Plastichow sowie Ludwigshof. 
Die Kapelle in Reckow wurde um 1612 in ein v. Köller‘sches Gut übernommen und verfiel alsbald. Erhalten blieb lediglich die 1587 gegossene Glocke, die bis 1945 in einem hölzernen Glockenstuhl an der Straße Gollnow-Cammin zu bewundern war.
Die wohl im 15. Jahrhundert erbaute Dobberphuler Kirche 1742 mit 20 weiteren Gebäuden durch Feuer zerstört und 1 Jahr später neu errichtet. 1945 wurde sie ausgeplündert und später abgerissen.
Die ebenfalls aus dem 15. Jahrhundert stammende Kirche in Görke dient heute den katholischen Einwohnern als Gotteshaus. 
Besonders die Dobberphuler Kirchenchronik berichtet von einer Reihe historischer Ereignisse, die mitteilenswert sind.
Nach dem Gottesdienst in der Dobberphuhler Kirche am 6. Juni 1742 begibt sich Pastor Amandus Andreas Lewezow (Pastor von 1721 bis 1743) nach Görke um der Tochterkirche zu predigen. Doch kurze Zeit später ruft wieder die Kirchenglocke. Sie kündet: Feuer auf dem Gutshof! Rasend schnell greifen die Flammen um sich, ein Haus nach dem anderen fällt ihnen zum Opfer. Küsterhaus und Pfarrhof brennen lichterloh und schließlich beginnt auch das Gotteshaus zu brennen. Der Turm sinkt in sich zusammen und selbst die Leichen in den Erbbegräbnissen  werden vernichtet, „welches ein jämmerlicher Anblick gewesen“, wie die Chronik berichtet. Der von Görke heimkehrende Pastor steht vor einem wüsten Trümmerhaufen. Mit dem Pfarrhaus sind auch alle Kirchenbücher verbrannt. Tief ergriffen schreibt Lewezow: „Der gerechte Gott hat das sündige Dobberphul heimgesucht.“ Damit scheint auch seine Kraft gebrochen und er stirbt am darauffolgenden Neujahrstag. Bereits im Mai 1843 entsteht abermals eine Feuersbrunst, die mehrere Häuser vernichtet. Der Gottesdienst wird nun in einer Scheune oder unter freiem Himmel verrichtet und in der Kirchenchronik des benachbarten Jassow findet man den tadelnden Eintrag: „Es ist nicht zu loben, daß sich niemand weder an der Wiederaufbauung des Gotteshauses noch auch Pfarr- und anderer dazu gehöriger Gebäude kehrte.“ Wie zum Trotz feierten die Dobberphuhler im Herbst 1743 die Einweihung ihrer neuen Kirche.
Im Jahre 1807 berichtet der Pastor Andreas Gottlob Klamroth (1773-1808) von den Belastungen der napoleonischen Besetzung: „Sonderlich ward die Pfarre durch Einquartierungen ganz unverhältnismäßig beschwert, indem sich in derselben jedesmal der Feldwebel einlegte, bei dem sich tagtäglich eine Menge von Offizieren und Gemeinen versammelte, die dann ohne Umstände auf Kosten des Wirtes zehrten. Einmal in der Fastenzeit fanden sich eines Abends 70 Mann von dem Schill‘schen Korps im Pfarrhause ein, als sie von Wollin durch die Franzosen zurückgetrieben wurden. Alle mußten bewirtet werden, obgleich keinen Augenblick vorher Quartier bestellt war.“
Aber das waren nicht die einzigen Opfer: „ Für mich – erzählt Pastor Klamroth – waren die Folgen dieser Drangsal die traurigsten. Ein unheilbares Nervenfieber, höchstwahrscheinlich durch einquartierte Soldaten in mein Haus verpflanzt, raubte mir im April 1807 einen hoffnungsvollen Sohn, 22 Jahre alt, und  im Mai eine Tochter von 20 Jahren; und ich selbst wurde auch von dieser furchtbaren Krankheit befallen. Ich sah mich daher von sovielen Drangsalen des Krieges und den so schmerzlichen Verlusten ganz niedergedrückt, hauptsächlich aber durch die große Abnahme des Gehörs genötigt, in meinem 63. Lebensjahre und 33. Amtsjahre mein Amt niederzulegen.“
Doch wenige Jahre später rief der König, und alle, alle kamen. Über 300 begeisterte junge Leute sammeln sich aus Dobberphul und Umgegend. In einer Ansprache werden sie unter freiem Himmel hinter der Dorfschmiede vom Sohn des oben genannten, Johann Friedrich Gottlob Klamroth (1808-1829), mit den Worten Joh. 14 Vers 27  „Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht“ eingesegnet und anschließend von dem Hauptmann Maximilian Friedrich von Köller vereidigt. Am 18. Januar 1816 kann das Friedensfest gefeiert werden. 
Gut 200 Jahre überlebte die Kirche ihre  fleißigen Erbauer, aber gleichzeitig mit der neuerlichen Zerstörung im Frühjahr 1945 wurden die Dobberphuhler aus ihrer Heimat vertrieben. Die neuen Herren zeigten kein Interesse an der Kirche und so sehen wir heute nur noch ihren deutlichen Grundriß am Ortsrand. Zwischen den hohen Bäumen des daneben befindlichen Friedhofs liegen umgestoßene Grabsteine. Auf ihnen lesen wir die Namen von Grete Döring, geb. Radloff (1899-1930), Karl Zirbel (1854-1928), Tischler Johannes Lüdtke (1869-1933), Julius Neumann aus Grünhöfe (1856-1931),  Bertha Buth (1878-1938), Wilhelm Bahr (1856-1937), Margarete Becker (1924-1928). Eine polnische Bauersfrau beäugt uns aufmerksam. Ungeduldig scharren Hühner auf dem Kirchhof nach Futter....

(von Hans-Dieter Wallschläger - aus „Camminer Heimatgrüße“ Folge 421-August 1999)

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