Kirchen
im Kreis Cammin |
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Aus der Geschichte des kirchspielS Nemitz |
Das
Kirchspiel Königsmühl besteht aus der Muttergemeinde mit den Orten Deuthin,
Kummin, Morgow, Rarvin und der Tochtergemeinde Benz, zu der auch die Ortschaften
Pemplow und Klaushagen zählen. Die einzelnen Orte durchliefen eine wechselvolle
Geschichte, die sich in den Besitzverhältnissen und damit auch im
Kirchenpatronat widerspiegeln.
Bis 1820 trug Königsmühl den Namen Weichmühl. Nach einer Einkehr des preußischen
Königs Friedrich Wilhelm III. beim damaligen Mühlenbesitzer Reetz, wurde der
Ort mit allerhöchster Genehmigung umbenannt.
Die Königsmühler Kirche findet 1559 mit der Ordination des evangelischen
Pastors Christian Krummenhausen aus Cammin erstmals urkundliche Erwähnung. Die
Reihe der 15 deutschen Pastoren endet 1945 mit Siegfried Reetz. Viele
Nachrichten aus der Geschichte des Kirchspiels verdanken wir dem vorletzten
Pastor - Erich Hermann August Bahr (dem Vater unseres Heimatpastors H.-J. Bahr),
der von 1897 bis 1935 in Königsmühl amtierte.
So äußert er die Vermutung, dass der mittelalterliche Findlingsbau im 13. oder
14. Jahrhundert errichtet wurde. Aus der Kirchenchronik ist zu entnehmen:
“Anno 1659 ist das Kirchengebäude ganz baufällig gewesen. Der Kirchenbau ist
doch endlich unter göttlichem Segen anno 1662 zu Stande gekommen. Zu der Zeit
hat die Kirche wenig oder gar keine Mittel gehabt und ist ein Kirchenschoß
(Steuer) auf die Gemeinde gelegt worden. Anno 1734 ist die Kirche bis unters
Dach gemauert worden. Anno 1803 ist die Kirche und der Thurm abgebrannt und die
Glocken zerschmolzen, im folgenden Jahr alles wieder hergestellet, jedoch kein
Thurm, sondern ein Glockenstuhl von der Kirche etwas entfernt, weil das Feuer
von den Mühlengebäuden in den hölzernen Thurm und von diesem in die massive
Kirche gekommen ist“.
Hundert Jahre später bedurfte die Kirche einer neuerlichen Instandsetzung. In
der Gemeinde wurde eine Sammelliste herumgesandt und über 1100 Mark an Spenden
gingen ein. Pastor Bahr vermerkt besonders: „Auch eine Anzahl von Dienstboten
hatten Beträge bis zu 3 Mark gespendet.“ Letztendlich erbot sich die Gräfin
Flemming auf Benz, die bereits die dortige neue Kirche erbaut hatte,
geschenksweise die noch fehlende Summe herzugeben. So begann über Sommer eine
gründliche Renovierung der Königsmühler Kirche. Decken und Fußböden wurden
erneuert, die Fensteröffnungen vergrößert. Außen erhielt die Kirche einen
neuen Putz und am Tag des Erntedankfests konnte im Beisein des Camminer
Superintendenten Zietlow die Kirche wieder in Gebrauch genommen werden. Über
Sommer hatten die Gottesdienste im Freien stattgefunden.
In den nachfolgenden Jahren wurde die Ausstattung durch eine Vielzahl von
Schenkungen ergänzt – Frau Gräfin Flemming-Benz schenkte einen bronzenen
Kronleuchter nebst sechs Wandleuchtern, an der Aufstellung eines eisernen Ofens
beteiligte sich der zweite Patron, von Elbe-Morgow, die Gattin des dritten
Patrons Volz-Königsmühl schenkte 300 Mark, die Gutsbesitzer von
Schrader-Kummin eine Bibel und Wallschläger-Deuthin eine silberplattierte innen
vergoldete Abendmahlskanne. 1907 stiftete ein unbekannter Geldgeber eine neue
Orgel.
Im Mai/Juni 1905 fand in der Synode Cammin eine General-Kirchen und
–Schulvisitation statt. In dem erhalten gebliebenen Protokoll wird im
Zusammenhang mit dem Pastor Lüder in Nemitz, der „unschöne Vorträge hält,
bäuerlich auftritt und dessen Gottesdienst vom Patron nicht mehr besucht
wird“, berichtet, dass sich die Gemeinde „zu der von Pastor Bahr in Benz
halten könne, der ein trefflicher Prediger ist und dessen Kirche nicht allzu
weit entfernt liegt.“
Der Weltkrieg brachte einen Einschnitt in das friedliche Leben der Gemeinde und
1917 mussten selbst die Kirchenglocken abgeliefert werden, um sie in der Rüstungswirtschaft
zu verwerten. Wenn darüber auch pathetisch berichtet wurde, so war man sich des
Wertes der Glocken durchaus bewusst, denn die Benzer Gräfin holte den
pommerschen Denkmalskonservator Prof. Lemcke aus Stettin herbei, um die Glocken
im Kirchspiel begutachten zu lassen. Auf diese Weise konnten zwei Glocken der
alten Benzer Kirche (sie diente zu diesem Zeitpunkt nur noch als Begräbniskapelle)
aus den Jahren 1589 und 1698 und die kleinere in Königsmühl vor dem
Einschmelzen gerettet werden. Die ersten beiden standen 1939 unter der Treppe
der Turmvorhalle der neuen Benzer Kirche. Wie mag ihr weiteres Schicksal
verlaufen sein?1929 konnte Pastor Erich Bahr in seinem Bericht über die Königsmühler
Kirchengeschichte feststellen:
“So war unsere liebe Kirche im Laufe weniger Jahre schön hergerichtet und mit
Gaben reich bedacht. Möge sie, die schon viele Geschlechter hat kommen und
gehen sehen, noch vielen künftigen Geschlechtern eine Stätte reichen Segens
sein. Möge ihr vor allem nie der beste Schmuck fehlen: eine sich treu zu Gottes
Wort haltende Gemeinde!
Diese Hoffnung blieb nur eineinhalb Jahrzehnte erhalten: 1945 brannte die Königsmühler
Kirche aus, die alte Benzer Kirche wurde abgerissen und die gesamte
Kirchgemeinde in alle Winde zerstreut.
(von Hans-Dieter Wallschläger - aus „Camminer Heimatgrüße“ Folge 423-Dezember 1999)
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