Kirchen im Kreis Cammin

Aus der Geschichte des kirchspielS Nemitz

Wissenswertes über das Kirchspiel Nemitz

Im Kirchspiel Nemitz befinden sich drei Kirchen: die Mutterkirche in Nemitz und die beiden Tochterkirchen Schnatow und seit 1928 Zemlin. Weitere zugehörige Ortschaften sind Kopplin und Garz. Die Namen sind ausnahmslos slawischen Ursprungs und weisen auf einen Grenzbezirk der deutschen Besiedlung hin. So leitet sich Nemitz von „taub, die Sprache nicht verstehend“ ab und dient heute in der Form „nemzi“ als Bezeichnung für alle Deutschen, Schnatow und Kopplin haben ihre Wurzeln in slawischen Wörtern für „Baumstumpf“ und „umgegrabene Fläche“, was auf Rodungen hinweist. Erste Erwähnungen finden die Orte in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts.
Während man über die Geschichte und den adligen Besitz der Dörfer an verschiedenen Stellen nachlesen kann, ist über das alltägliche Leben ihrer Bewohner wenig bekannt. Aus Nemitz sind uns durch Aufzeichnungen zur Steuerhebung von 1655 die Namen der Bauern Peter Wulfgramm, Marten Tesche, der Kossäten Hanß Heitike und Jochim Rinezel sowie des Schmieds Karsten Storke überliefert, aus Garz und Schnatow werden die Bauern Carsten Schaddeloke (ein armer Mann), Hanß Krohne und die Kossäten Chim Strymer und Chim Kallibe, aus Schnatow die Bauern Erttman Krüger, Chim Gniddike, Hanß Hintze, Jakob Gniddike, Chim Stefen und Hanß Siefert aufgeführt.
Das 1945 verschollene Kirchenbuch von Nemitz berichtet im Zeitraum zwischen 1554 und 1945 von 19 evangelischen Pastoren. Der erste war Balthasar Kansdorff, der letzte Kurt Koschnik. Ihre Mitteilungsfreudigkeit war recht unterschiedlich, so daß sich der in Fritzow ansässige Pfarrer Strecker in seiner unveröffentlichten „Chronik der Synode Cammin“ nur auf im Kirchenbuch aufgeführte Angaben stützen konnte. Zunächst war das 1585 begonnene Kirchenbuch wohl als Familienbuch von Gotthard Kansdorff (Sohn von Balthasar) gedacht. Neben den Geburtsdaten von sieben Töchtern und einem Sohn, vermerkt er nur einige Veränderungen an der Kirche. Wann diese erbaut wurde, ist unklar. 1594 werden zwei Glocken, 1595 „ein Neuw gestöhlte“ (Gestühl) und 1598 ein neuer „Böhn“(Fußboden) erwähnt. 
Deutlich wird in den Eintragungen zwischen Adligen und sonstigen Einwohnern unterschieden. Für erstere wird das „vornehme“ Hochdeutsch verwendet: Kinder werden „getauft“ und ihren „Pathen“ oder „Gefattern“ beigelegt, während die Kinder geringer Leute im umgangssprachlichen Platt „gedöft“ werden und „Päten“ haben.
Viele Notizen verraten, daß jene Zeit reich an Grausamkeiten war. Jeweils am Sonntag vor Michaelis (29. September) fand in Nemitz ein Jahrmarkt statt, der häufig Anlaß für  Mordtaten war. In diesem Zusammenhang wird auch über „unehrsame“ Frauen und das Hexenwesen berichtet:
·     „1598, den 16. November, ist Anna Dumanns, eine berüchtigte Frauensperson ohne Klingent und Singend an ein sünderichbördeken (Sünderböschung) auf dem kerkhoft begraben.“
·     „1600, den 1. Septembris, ist Trine Schellinß, so bei Jacob Steinwehr den Eltern (der Gutsbesitzer) gedient und ihre Ehre verschertzet, Kind gedöft, davon das geschrey gewesen, als sollte Jacob Steinwehr vater sin.“
·     „1601 ist einer losen gerißenen, so bei dem Smede (Schmied) zu Nemitz Inne (in Stellung) gewesen und Jette Carnuchels genanndt, Kind in Tewes Blisen Sode (Teich) vertrunken.“
·     „des Midewäkens (Mittwoch) in S. Weihnachtsfest ist Hans Maltemann und sine husfru, in Dargeslaff wohnhaft, wegen einer töveryn (Zauberei) verbrannt, eher Hans Maltemann hat twe tangenkniepe möten uthollen.“
Überhaupt scheinen im Mittelalter und besonders in den Notzeiten des 30-jährigen Krieges, Aberglauben und Weissagungen eine große Rolle gespielt zu haben. Der von 1639 bis 1669 in Nemitz amtierende Pastor Erdmann Rudolphi, bediente sich einer sehr bildhaften Sprache. So ein Eintrag vom 7. December 1639: „Eve Teschen, hurenkindt, so sie in Griefenbergk geboren; ist also mein erstes kindt zu taufen ein hurenkindt gewesen. got gebe, daß keine mehr werden.“ Weiter schreibt Rudolphi: „1640. In diesem anno (Jahr) auf Michaelis seien die Brandenburgischen hereingefallen und viel geplündert. In diesem Jahr des Monats Octobris ein Wallfisch gestrandet. Wardt auch geredet, das ein weiß rehe wäre gefangen. 1642. abermalen ein ungewöhnlich großer Fisch bei der Schwine (Swine) gestrandet. Hierauf unser Churfürst von Brandenburg im November gestorben.“
Auch zwischen den Bauern gab es Streitigkeiten, für die die Strafe auf dem Fuße folgte: „1640: in diesem Jahre ward den bawern (Bauern) in Schnato, weil sie ihnen die straßengerechtigkeiten anmaßeten, das flachs abgemehet, und weil sie ihre schweine davon haben freßen lassen, sind die 22 darüber gestorben.“
Über alle diese Berichte wurde fast der Zustand der eigenen Kirche vergessen, denn nach einem langen Bericht über Zauberhexen in Wollin und Dobberphul von 1667 wird in einem Nebensatz erwähnt: „auch haben wir in diesem Jahre unseren Kirchthurm wiederum zustehende (instand) gebracht.“
Unter dem Pastor Martin Jacob Hannemann stürzte 1784 das Kirchendach nebst Ostgiebel ein. Zuvor waren schon Turm, Kanzel und Altarraum eingefallen. Über längere Zeit wurde in Hausfluren und Scheunen gepredigt, bis im Herbst 1795 die nach Entwürfen des Landesbaumeisters David Gilly erbaute neue Kirche geweiht werden konnte. Die gesamte Ausmalung hatte der Schwiegersohn von Hannemann , Johann Georg Gothe, Pastor in Coeselitz gratis ausgeführt. Kirchenvorsteher war zu dieser Zeit mein Namensvetter Erdmann Friedrich Wallschläger, Krüger in Nemitz.

(von Hans-Dieter Wallschläger - aus „Camminer Heimatgrüße“ Folge 415-August 1998)

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