Kirchen im Kreis Cammin

Aus der Geschichte des kirchspielS Tribsow

Wenn Steine reden - Ehrenmale in Tribsow

Wenige Kilometer östlich von Cammin liegt das Dorf  Tribsow. Zum gleichnamigen Kirchspiel zählen weiterhin die Orte Bandesow, Brendemühl, Grambow, Marquardsmühl, Mokratz und Schwenz. 1877 übernahm der Pfarrer in Personalunion die Kirchgemeinde von Schwirsen, die bereits bis 1780 zu Tribsow gehört hatte. Die Kirche wurde wahrscheinlich 1466 gegründet und im Verlaufe der Zeit mehrfach umgebaut. Über das Patronat gab es häufig Streit zwischen dem adligen Grundbesitz und der Stadt Cammin. So umfaßt die Liste der evangelischen Pfarrer vier von Cammin und 24 vom adligen bzw. später landeskirchlichen Patronat benannte Personen. Der erste namentlich bekannte evangelische Geistliche hieß Christian Woestenius (um 1550), als letzter amtierte von 1930 bis 1945 Theodor Weigle.
Schon hatte ich begonnen, die ersten Zeilen eines Beitrages zur mittelalterlichen Geschichte von Tribsow zu verfassen, als mich ein Brief unseres Landsmannes Harder-Gristow erreichte, in dem sich einige Fotografien befanden. Dazu schrieb er: „Am 19.9.98 erhielt ich anläßlich einer Buchbestellung den telefonischen Hinweis, daß auf dem ehemaligen Bauernhof Johannes Wrensch in Neu-Gristow auf der Insel Gristow der Gedenkstein für die im 1. Weltkrieg gefallenen Gristower steht. Bei meinem Aufenthalt auf der Insel am 30.9.98 stellte ich fest, daß es sich nicht um den Gedenkstein aus Gristow, sondern um den aus der Parochie Tribsow handelt. Der Stein ist stark verwittert, so daß die Schrift kaum noch, zum Teil gar nicht mehr lesbar ist. Trotzdem habe ich für Heimatforscher aus den betroffenen Ortschaften die Namen fotografisch gesichert.“
Da ich wenige Wochen zuvor das „Kirchliche Monatsblatt der Synode Cammin“ durchgesehen hatte und mich an dort abgedruckte Ehrentafeln für die Gefallenen des 1. Weltkrieges erinnerte, trieb mich die Neugier, den Versuch zu unternehmen, dem Ehrenmal sein Geheimnis zu entlocken. Bald fand ich heraus, daß die Namen der Toten ortsweise alphabetisch angeordnet sind. Ein Vergleich mit dem „Monatsblatt“ führte zur Schließung der nicht lesbaren Lücken auf dem Stein, wobei einige noch erhaltene Buchstaben der Orientierung dienten. Nachfolgend das Ergebnis der Detektivarbeit:

Seite 1: TRIBSOW: georg barkow; johannes barkow; heinrich bornfleth; emil braasch; franz bruss; emil buth i; emil buth ii; johannes buth; johannes erdmann; 0tto fick; emil Frädrich; emil höfs; richard jahn; oskar keiper; willi kempke; franz köhler; paul köhler; heinrich krüger; reinhard lemke: gerhard lemke
Seite 2 (Fortsetzung von Tribsow): rudolf lemke; werner lemke; artur lÜbke; emil marquardt; wilhelm mittag; hermann mittag; johannes schmeling; artur voigt; ernst woldt 
brendemühl: robert barkow; gustav buth; willi buth; emil  flemming; hugo krohn; richard lübke; friedrich schön; richard tesch; wilhelm trIttin; gustav wergin
Seite 3: grambow: karl borchardt; Franz BROETZMANN; AUGUST BUCHHOLZ; MAX BUCHHOLZ; georg buth; AUGUST GAUGER; emil KnOLL; johannes kühl; ALFRED lewerentz; artur lewerentz; ALEXANDER REINKE; ALBERT SCHMIEDEBERG; franz schmiedeberg
mokratz: erich hass; artur hass
bandesow: emil jahn; richard jahnke; rudolf krause; karl zietz
Seite 4: Marquardsmühl: kurt bruss; hermann manthey
Friedensfelde: willi ackermann; robert bartelt; otto fährmann; wilhelm grambow; gerhard grambow; 
schwenz; claus von cöller; hermann böttcher; franz buth; hermann gauger; willi Genz; karl laabs; johannes laabs; wilhelm runke; ernst wiskow

Lediglich drei Namen (Robert Ewald aus Tribsow, Richard Hahn aus Brendemühl und Wilhelm Krüger aus Bandesow) sind nicht auf dem Stein zu finden. Vielleicht sind diese doch unversehrt aus dem Krieg heimgekehrt?
Inzwischen weiß ich auch, wie das Ehrenmal aussah. In dem Büchlein „Vergangene Tage - Aus dem Pfarrarchiv des Kirchspiels Tribsow“, zusammengestellt vom vorletzten Tribsower Pastor Ernst Biastoch, fand ich eine Abbildung. Der heute in Neu-Gristow befindliche quaderförmige Stein stellt lediglich einen Teil des Denkmals dar. Ursprünglich stand er auf einem mit Stufen versehenen Sockel und wurde oben von einer hohen Stele, die ein eisernes Kreuz schmückte, gekrönt. Das Ehrenmal befand sich unweit der Kirche und war mit einem hübschen Zaun umgeben. Errichtet wurde es zwischen 1920 und 1923.
Aus dem „Kirchlichen Monatsblatt“ habe ich eine Reihe weiterer Angaben notiert, wie z.B. den Todestag der Gefallenen, ihr Alter und Angaben zu Beruf und Eltern. Möglicherweise gibt es unter den Lesern jemanden, der unter den Namen einen Vorfahr entdeckt. Interessenten können diese Angaben gerne erhalten.
In der erwähnten Schrift von E. Biastoch fand ich einen Hinweis auf ein ein weiteres Tribsower Ehrenmal. Er schreibt: „Die Gedenktafel aus den Jahren ...1870 und 1871 ist kürzlich wieder ehrend am Orgelchor aufgehängt: Aus dieser Gemeinde starben für König und Vaterland: .... 1. Der Füselier Karl August Dobberphul..., 2. Der Füselier F.W.Mittag..., 3. Der Füselier Karl Tews....“.
Mir fiel es wie Schuppen von den Augen, denn diesen hier ausschnittsweise wiedergegebenen Text hatte ich im Frühjahr dieses Jahres gelesen. Er „schmückt“ einige Bretter, die heute eine Öffnung über dem Eingang der Tribsower Kirche verschließen!

(von Günther Harder & Hans-Dieter Wallschläger - aus „Camminer Heimatgrüße“ Folge 417-Dezember 1999)

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